Mittwoch, 30. März 2011

Stay The Night


© Foto: Tristesse


© Video:youtube.com, einstellt von Gilli4567


© Video:youtube.com, eingestellt von AJchannel39

Hach ja, James Blunt!
Ich muss ein wenig ausholen.

Wenn mich jemand vor einem halben Jahr gefragt hätte, was ich mit James Blunt verbinde, hätte ich abschätzig die Augenbrauen hochgezogen und gesagt "Der ist mir zu weinerlich!".

Ich konnte "You're beautyful" nicht mehr hören. Und dann kam eine Ballade nach der anderen, als ob dieser Mensch nicht gelernt hätte, wie man richtig feiert. Ich fand ihn ziemlich belanglos.

Dann ging im Oktober 2010 die SAT1- Soap "Hand aufs Herz" an den Start. Nun ja. Wer mich kennt, weiss, dass es nicht überraschend ist, dass ich dieser Serie sofort verfiel, wer mich nicht kennt, wird jetzt seine Augenbrauen hochziehen.

Das Thema ist faszinierend, wie ich meine. Es geht um eine Lehrerin und ihren Schüler Ben, die beide in Köln an einer Gesamtschule sind und ein Verhältnis haben, und den Kollegen Michael, die Schwester hat ein Verhältnis mit dem Bruder des Lehres... äh... ich glaube, das interessiert hier wirklich keinen?!

Egal.
Ich mag die Serie und habe von 130 Folgen erst 2 verpasst. Jedenfalls dachte ich beim ersten Gucken der Serie "Hm... das Titellied ist aber cool. Klingt wie James Blunt. Kann aber nicht sein. Seit wann ist der fröhlich?"

Die Radiostationen nahmen "Stay the night" auf und man hörte auf einmal einen gutgelaunten James Blunt im Radio. Das war mir neu.

Kurz vor Weihnachten bekam ich dann von meiner Freundin Steffi einen Konzertgutschein geschenkt. Erinnert Ihr Euch? Das ist die, mit der ich letztes Jahr bei Whitney Houston war (*muahahaha*). Wir hatten verschiedene Optionen. Eine davon war James Blunt in der TUI-Arena in Hannover.

Zeitgleich bekam ich von einem guten Freund die drei James Blunt Alben auf meinen Rechner gespielt und beim morgendlichen Fahren im Bus stellte ich fest, dass Mr. Blunt a. richtig fetzige Musik machen und b. wirklich gut singen kann. Nachdem meine Schwester und ich auf einer sehr, sehr langen Autofahrt zu "Stay the night" lauthals mitsangen, stand es fest.

Ich entschied mich also für das Konzert mit James Blunt letztes Wochenende in Hannover. Die Karten kamen per Post, wurden sorgfältig weggepackt, aber irgendwie war dieser Abend so weit entfernt und unwirklich.

Sehr real wurde es allerdings, als meine Freundin Steffi eine Woche vor Konzertbeginn krankheitsbedingt absagte. Da hatte ich nun echt ein Problem. Gott sei Dank habe ich Freunde, die was von guter Musik verstehen und nach ein paar Anrufen hatte ich mein Taxi und Begleitung gesichert.

So brachen Kilian und ich dann am späten Nachmittag nach Hannover auf.

Die TUI-Arena auf dem Expo-Gelände in Hannover ist sehr beeindruckend. Es finden rund 11.000 Leute in der voll bestuhlten Halle Platz und es war wirklich bis auf den letzten Platz ausverkauft. Wir hatten recht gute Plätze, genau gegenüber der Bühne oben im Logenbereich. Natürlich konnten wir nicht so gut sehen, weil wir am anderen Ende sassen, hatten aber trotzdem das Geschehen voll im Blick. Wie gut, dass es die grossen Videoleinwände gibt, nicht wahr?

Die Vorgruppe wurde höflich beklatscht und dann ging es los.

Ich weiss nicht, was ich erwartet habe. Ich dachte, ich würde einen netten Abend mit Mr. Blunt erleben, aber was sich mir bot, übertraf sämtliche Erwartungen. Ich bin wirklich nicht verlegen um Worte, aber ich weiss nicht, wie ich in Ansätzen beschreiben soll, was in den nächsten 90 Minuten passierte. Ich versuche es mal.

1. James Blunt kann singen. Und er kann es auch live. Ich habe selten einen Künstler erlebt, der live besser klingt als auf CD. Und James Blunt ist so einer.

2. James Blunt hat eine ausgezeichnete Band. Da stimmte einfach alles. Die Jungs waren perfekt aufeinander eingespielt.

3. James Blunt ist sympathisch. Er brauchte 4 Lieder, um locker zu werden und war ansonsten nicht sehr gesprächig. Aber er suchte trotzdem immer wieder den Kontakt zum Publikum. Ich glaub, es ging ihm im Grunde einfach nur darum, dass er gute Musik für seine Fans macht. Das stand im Vordergrund.

4. James Blunt ist bescheiden. Die Bühnenshow war schlicht, aber angemessen. Er zieht sich nicht zigmal um, er kokettiert nicht mit dem Publikum, er stellt sich einfach hin und singt.

5. James Blunt ist authentisch. Ich hatte ja zu Anfang die Frage in den Raum gestellt, warum er ständig nur Balladen auskoppelt. Beim Konzert verstand ich auf einmal, was ich vorher nicht begriff. Man muss diesem Mann ins Gesicht sehen, wenn er davon singt, was ihn berührt und verletzt.

Wer sich mit der Vita von James Blunt befasst hat, weiss, dass er vor seiner Musikerkarierre im Militär gedient hat. Er war Berufssoldat, unter anderem auch in Afghanistan. Außerdem hat er kein Glück bei Frauen, er zieht eine gescheiterte Beziehung nach der andren hinter sich her und wenn man ihm beim Singen seine Balladen ins Gesicht sieht, dann weiss man, dass er den Schmerz kennt.

Dieser Mann hat Tod, Leid, Zerstörung und Verlust erlebt. Und er nimmt einen einfach mit. Beim "Carry you home" habe ich geweint. Nicht, weil das Lied so traurig wäre, sondern weil es mir so wehtat, diesen Schmerz in James' Gesicht zu sehen. Und das kam immer und immer wieder... ob bei "You're beautyful" oder "No tears". Und als er bei "Goodbye, my lover" sang "I am so hollow baby, I am so hollow", da habe ich ihn verstanden.

Ich weiss, wie es ist, sich unsichtbar und leer zu fühlen. Das hatte ich verstanden, darum berührte mich dieser Song auch so sehr.

Er hatte mich auf einmal. Und er nahm mich auch in die fröhlichen Lieder mit. Bei "Stay the night" tobte die Halle, er rockte, fetzte, tobte über die Bühne, surfte auf dem Piano... er war wirklich authentisch.

Ich hab das wirklich noch nie erlebt. Ich weiss nicht, was es James Blunt kostet, sich Abend für Abend so verletzbar zu machen, aber das war das, was mich an diesem Abend wirklich beeindruckte. Ich durfte ein wenig den "Menschen" James Blunt erleben und das hat mir gefallen.

Kilian und ich hatten sehr viel Gesprächsstoff auf der Heimfahrt. Und wir sind jetzt leider irgendwie süchtig geworden - süchtig nach der Live-Erfahrung mit James Blunt :-)

Es war ein grossartiger Abend, ich zehre immer noch davon.

Und wenn ich jetzt im Bus sitze, seine Songs höre, dann denke ich mir "Ist das, was mich verletzt, was mir zu schaffen macht, wirklich belanglos oder langweilig?". Ich glaube nicht.
Es brauchte nur 90 Minuten, um das zu begreifen.

Hört ihn Euch mal an, es lohnt sich!
Eure Trissi
©Tristesse

3 Kommentare:

Dexter Dextrose hat gesagt…

Hey!
Schreib mal wieder was!
Ach ja: Sorry, aber damit konnte ich nicht so viel anfangen, James Blunt ist nicht so mein Ding(wie du weißt) und mit Hand auf's Herz kann ich noch viel weniger anfangen ;)
Also schreib mal wieder was!
Grütziiiiii

Dexter Dextrose hat gesagt…

Sag mal, ignorierst du mich? :D
Ich gucke ständig nach, aber es kommt nichts Neues :D

Tristesse hat gesagt…

Nein, Dex. Natürlich ignoriere ich Dich nicht. Ich komm nur gerade nicht zum Bloggen.