
Meine Schwester hat mich gebeten, mal was „Lustiges“ zu schreiben... ich bemühe mich.
Da fällt mir was ein:
Menschen können sooo grausam sein.
Vor allem verheiratete Menschen. Besonders die christlichen, verheirateten Menschen. Und die verheirateten Menschen, die vergessen haben, wie es war, als sie noch nicht verheiratet waren. Die sind auch schlimm. Und Männer! Verheiratete, christliche Männer sind ganz besonders schlimm!
Neulich kam ich mit dem Vater einer Freundin (Christ! Mann!! Schon EWIG verheiratet!!! Schlimm!!!!) ins Gespräch. Er fragte mich, nachdem er ja wusste, dass ich a. mit Rauchen aufgehört, b. meine Therapie beendet, c. zwanzig Kilo abgenommen und d. mit der Mini-Kids-Time-Gruppe nun endlich wieder eine Aufgabe in der Gemeinde übernommen hatte, was ich als nächstes Projekt ins Auge gefasst hätte. Ich fand es ziemlich originell, etwas als „Projekt“ zu bezeichnen, was ich „mein verkorkstes Leben auf die Reihe bringen“ nannte. Ich fand es völlig ausreichend, endlich mal wieder zu leben. Ich hätte jedenfalls weiser sein müssen. Ich hätte einfach nichts sagen dürfen – oder lügen können!!! Aber bestimmt nicht, niemals, nicht hätte ich unter keinen Umständen die Wahrheit sagen dürfen. Auf KEI-NEN Fall! Gott hätte mir bestimmt vergeben.
„Ich such mir jetzt einen Mann!“, rutschte mir raus. Ich hätte mich ohrfeigen können. Meine Güte, klang das verzweifelt und ich konnte es dem lieben Freund auch ansehen, dass er WUSSTE, wie verzweifelt das klang.
Eigentlich bin ich gar nicht sooo verzweifelt. Ich bin schon so lange allein, dass ich nicht mal sicher bin, ob ich überhaupt mit einem Mann zurechtkommen würde, aber meine Therapeutin hatte mich vorgewarnt, dass man mit dem Aufbau des Selbstwerts einen leichten Größenwahn entwickelt. Der gäbe sich aber im Laufe der Zeit wieder. Ich warte nun schon seit gut sechs Monaten darauf, dass sich da was „wieder gibt“, aber entweder bleibe ich so wie ich bin mit meinem leichten Größenwahn oder ich merk es nicht mehr. Jedenfalls habe ich mir überlegt, dass ich mir ja jetzt, wo es mir wieder gut geht, einen Mann suchen könnte. Man soll die guten Vorsätze gleich in die Tat umsetzen!
So habe ich mich bei www. himmlisch-plaudern.de, www.christ-sucht-christ.de, www.christpart.de, www.singlechrist.de, www.x-singles.de angemeldet UND in meinem Facebookaccount meinen Beziehungsstatus von „Ich bin in einer komplizierten Beziehung mit XY“ in „Single“ geändert (das mit XY hat mir sowieso niemand abgenommen und XY selbst meckerte schon, dass die „guten“ (!!!!) Mädchen eventuell davon abgeschreckt sein würden, dass er in einer „komplizierten Beziehung mit Trissi“ stünde, dabei sind wir ja einfach nur Freunde, die sich einen Scherz erlaubt hatten!). Jedenfalls bin ich jetzt überall angemeldet und warte. Vielleicht hätte ich nicht den Fehler machen dürfen, mich in jeder Singlebörse mit einem anderen Namen und Passwort anzumelden, jedenfalls gestaltet sich allein schon das Einloggen als sehr schwierig. Aber seitdem ich mir eine Excel-Tabelle angelegt habe, muss ich höchstens einmal pro Tag um die Zusendung meiner Login-Daten bitten.
Zurück zu neulich. Ich erwähnte, dass christliche, verheiratete Männer besonders grausam sein können? Nachdem ich also meinem Bekannten mein munteres „Ich such mir jetzt einen Mann!“ ins Gesicht gestrahlt hatte, wurde dasselbige auf einmal ausgesprochen „pastoral“. Ich mag es an sich nicht, wenn Menschen ohne Vorwarnung in den geistlichen Modus umschalten, aber ich hätte es ja auch besser wissen müssen und gar nicht sagen können. Oder lügen. Gott hätte mir mit Sicherheit vergeben!
An sich hätte der Gute überhaupt nichts antworten brauchen, denn ich wusste genau, welchen unverzeihlichen Fehler ich begangen hatte: ich hatte wörtlich „ICH (!!!!) SUCH (!!!) MIR (!!!) einen Mann!“ gesagt. Gute, christliche Frauen „suchen“ „sich“ keine Männer, die lassen sich finden. Oder sie beten solange, bis ihnen ein Kerl auf dem Sofa wächst, keine Ahnung. Aber selbst suchen geht nicht. Gehört sich nicht, tut „Frau“ nicht und ich hatte nun das Unaussprechliche ausgesprochen. Und das auch noch vor einem christlichen, verheirateten Mann.
Derselbige holte also unter Einsatz seines pastoralen Gesichtes tief Luft und ehe er sich besinnen konnte, reagierte ich blitzschnell: „Nein, ähem. Ich, hm, äh... also ich SUCH MIR natürlich keinen Mann! Hahaha!!!“ (klägliches Meckern!) „Ich BETE um einen Mann, genau!!!“ und schob noch ein „Wenn der Herr mir einen Mann überhaupt schenken will!“, leise murmelnd nach.
Den pastoralen Backen entwich ein Schwall pastoraler Luft und die pastorale Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben. Nur zu gern hätte er mich über den Unterschied von „Verzweiflung“ und „Vertrauen“ hingewiesen, aber ein As hatte er noch im Ärmel.
„Hm...Trissi “ (Stirnrunzelnd, leicht pastoral, aber nicht zu übertrieben!) „Bist du schon mal auf den Gedanken gekommen, dass du vielleicht die Gabe der Ehelosigkeit empfangen hast?“.
AUF KEI-NEN FALL!
NIE-NIE-MALS!!!
ICH NICHT!!!!
(Blankes Entsetzen!!!!)
Natürlich kann man das seinem pastoralen Freund n dem Moment nicht sagen, denn das würde nur weitere Diskussionen mit sich ziehen. Ich weiß nicht, wer sich das mit der Ehelosigkeit ausgedacht hat und warum das ausgerechnet eine Gabe sein soll, ist mir ein Rätsel, aber ich hab sie nicht, bzw. ich will sie nicht haben!
Ich bin ein Freund von gabenorientierten Diensten und die landläufige Meinung irgendwelcher verbissener Geistlicher („Christen haben keinen Spaß! Christen haben Froide!“), die der Überzeugung sind, dass Gott einem nur einen Dienst gibt, der so richtig weh tut, war mir schon immer suspekt gewesen. Und so verhält es sich meiner Meinung nach auch mit der „Gabe“ der Ehelosigkeit.
Ich lächelte meinen Freund an. „Ich HABE diese Gabe bereits, denn sonst könnte ich ja nicht allein LEBEN! Aber ich denke nicht, dass das ewig so bleiben wird.“
Damit ließ ich das pastorale Gesicht stehen.
Auch wenn das wie ein Witz klingt, habe ich das doch ziemlich ernst gemeint. Natürlich kann ich allein leben, Du meine Güte, ich mach das schon ein gutes Drittel meines Lebens lang und komme gut zurecht. Wäre auch traurig, wenn nicht. Und ja, ich weiß inzwischen, wie man ein Bild an die Wand dübelt (und zwar dort, wo man es hinhaben will und nicht, wo man die Nägel am leichtesten reinschlagen kann!), seine Steuererklärung macht (ich HASSE es!) und sich was kocht (ich LIEBE es!). Ich wasche meine Wäsche selbst, ich habe schon mal den Abfluß meines Waschbeckens auseinander genommen und ich fühle mich als Single durchaus nicht als Hälfte eines undefinierbaren Ganzen.
Trotzdem hätte ich gern einen Partner. Nicht, um mich zu vervollständigen, sondern weil ich es leid bin, immer alles allein machen zu müssen. Ich möchte jemandem um Rat fragen (ob ich darauf höre, ist dann was GANZ anderes!) und ich möchte gefragt werden. Ich möchte mit jemandem in Urlaub fahren und wissen, dass ich nicht allein ins Bett gehen muss. Ich möchte als Frau, als sexuelles Gegenüber wahrgenommen werden und Kinder haben. Ich möchte nicht allein die Rechnungen bezahlen müssen und es mir allein vorm DVD gemütlich machen. Ich möchte einfach „zu zweit“ sein.
Es gibt Ehefrauen und Mütter, die beneiden mich um meine Freiheit. Die sitzen verträumt bei Hochzeiten neben mir und meinen seufzend „HACH! Ich BENEIDE dich ja SO um Deine Freiheit! Was Du nicht alles so machen kannst!“ und ich kann dann nur zähneknirschend entgegnen „Ja, die Freiheit hatte ich jetzt lange genug, ich würde gern mal das andere ausprobieren!“. Ich weiß jetzt wirklich, dass ich es KANN, vielleicht WILL ich einfach nicht mehr?!
Das Problem bei der Sache ist, dass ich die letzten zwanzig Jahre irgendwie verpennt habe und nun stehe ich da mit meinem neuen, leichten Größenwahn und die Männer sind weg. ALLE! Naja. Fast alle. Die haben nämlich fast alle schon geheiratet. Oder sind wieder geschieden. Oder wollen mich nicht. Jedenfalls gestaltet sich die „Männersuche“ als ziemlich schwierig, wie ich meine.
Aber davon erzähle ich Euch ein andermal, ich muss erst noch ein paar Erfahrungen sammeln.
Gott segne Euch,
Eure Trissi
PS: @Melusine: ich hoffe, das war jetzt lustig genug? :-)
8 Kommentare:
Bätz!
Also ich muss schon sagen, deinen Text fand ich klasse! Ich wurde zwar ein bisschen davon abgeschreckt, dass er so lang ist, aber ich finde ihn echt gut. Also, ich meine jetzt nicht so den Inhalt, sondern vor allem, mit welchem Humor du den Text geschrieben hast :D
Also ich fand das auf jeden Fall gut :D
Danke Dex ;-)
Ja, ich weiss, der Text ist lang, aber ich fass mich ungern kurz - weisste doch!
Genauso mag ich es :-) Eigentlich sind ja alle Deine Texte gut, aber für sowas hier hast Du echt ein Händchen. Bin schon gespannt, wie's weitergeht!!!
Genial, lustig und SO treffend. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht! Bei Christ-sucht-Christ, Feuerflamme und Co. bin ich auch herumgedümpelt. Anders kann ich es nicht bezeichnen...
Eine Frage habe ich noch! Ist mir gerade so eingefallen!
Also du suchst ja jetzt anscheinend vor allem einen christlichen Typen...
Aber muss er denn unbedingt Christ sein? Ich meine, wir Nicht-Christen sind nicht alle schlechte Menschen... Okay, ich schon, aber es gibt auch gute Nicht-Christen... :D
Also, es ist schon klar, dass es eine gemeinsame Basis geben muss, aber muss es unbedingt das Christentum sein? Würdest du einen sonst perfekten Typen abweisen, nur weil er nicht Christ ist? Denkst du nicht, dass das deine Chancen, glücklich zu werden, schmälert?
Soll jetzt keine Kritik sein, nur eine Frage und vielleicht ein kleiner Denkanstoß.
Hi Dex,
danke für den Einwand ;-)
Natürlich mach ich mir dazu oft Gedanken... ich glaube, ich erzähle Dir mal was dazu, wenn wir uns sehen oder chatten, das ist mir dann im Internet doch zu öffentlich.
Aber Du hast vollkommen Recht mit Deiner Frage.
Gruss Tris
Schreib mal was Neues! :D
Hallo Triss,
ich wünsche es Dir von Herzen, dass deine Suche gesegnet und von Erfolg gekrönt ist, aber ...
PASSWÖRTER IN EXCEL-LISTEN????
hey, da gibt es aber tausend bessere Lösungen wie z.B. spezialisierte Proramme. ;)
Ich wünsche Dir eine gute Zeit und freue mich auf deinen nächsten Artikel.
Gottes Segen
Jörg
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